Humanistische Friedenspolitik

Gibt es eine solche? Und wenn ja, was sind ihre Besonderheiten im Vergleich zu einer pazifistischen, antimilitaristischen, zivilen, bellizistischen usw. Friedenspolitik?

Thomas Heinrichs hat für humanismus aktuell die Ausgabe 4/2014 „Zivile Friedenspolitik“ (Heft 203) der Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft (spw) rezensiert. Die der linken Sozialdemokratie nahestehende Publikation versammelt Beiträge zu Elementen einer dauerhaften Friedenssicherung, zur Übertragbarkeit von europäischen Modellen auf den arabischen Raum, zu den Erfolgen und Misserfolgen humanitärer militärischer Interventionen, zu den Folgen der Ukraine-Krise

Humanismus – ein offenes System

In der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Deutschland ist der nunmehr fünfte Band „Humanismus – ein offenes System“ mit acht Aufsätzen der renommierten klassischen Philologen und Humanismusforscher Hubert Cancik und Hildegard Cancik-Lindemaier erschienen. Der Herausgeber Horst Groschopp benennt in seinem Vorwort zwei grundlegende Motive dieses Buches: Gezeigt werden soll erstens, dass der Humanismus „eine innere Tendenz besitzt, ein Gebäude an Ideen und Institutionen zu errichten, um Ordnung in sein Selbstverständnis und seine Einrichtungen zu bringen“, und zweitens, dass dabei „ein ‘offenes’, lernfähiges System“ entstehe (S. 12/13).  Es wird spannend sein, zukünftig zu verfolgen, ob der damit zugrunde gelegte Spagat zwischen der „Provokation Systembildung“ (Groschopp) und dem Anliegen einer „offenen“ Form theoretisch wie praktisch gelingen kann.

Mein letzter Arbeitstag. Abgewickelt nach 89/90. Ostdeutsche Lebensläufe

Die Soziologin Katrin Rohnstock hat in ihrer Reihe „Rohnstock Biografien“ eine Anthologie ostdeutscher Erinnerungen herausgegeben.  Diesen Band,  in dem „22 Männer(n) und sieben Frauen, vom Kellner bis zum Staatssekretär, von der Kindergärtnerin bis zur Programmdirektorin des Fernsehens“ (S. 2) zu Wort kommen, hat der Kulturwissenschaftler Horst Groschopp für humanismus aktuell besprochen. Er empfiehlt die differenzierten und differenzierenden Texte der aus den Berliner Erzählsalons der Herausgeberin hervorgegangen Kurzbiografien als interessante Lektüre.

Zwischen allen Stühlen

Reich ist die Geschichte des Humanismus an interessanten Personen, die oftmals zu Unrecht vergessen sind: Horst Groschopp bespricht in einer Rezension das Buch des Historikers Gerhard Engel über den „Kulturarbeiter“ Dr. Rudolf Franz (geb. 1882 in Köln, gest. 1956 in Leipzig), Germanist, Lehrer an der SPD-Parteischule für „Deutsche Sprache“, Journalist, bei Alfred Kerr promovierter Literaturwissenschaftler, Feuilletonist, Schriftsteller, Dichter, Festorganisator, “Volksbildner“ …. Es handelt sich um einen Freidenker, den Engel der Vergessenheit entrissen hat.

Humanismus zwischen Dreadlocks und Haargel

Drei Veranstaltungen der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg

Humanismus ist in vielerlei Munde. Ein glatt geleckter ehemaliger „Bild“-Redakteur mokiert sich niveaugemäß über die Frisur des Friedenspreisträgers Jaron Lanier und bewirbt sich als digitaler Transhumanist: „Der Humanismus beginnt jetzt. Mit all den technischen und digitalen Möglichkeiten ist er noch mächtiger geworden. Wir sind nicht die Summe unserer Daten, die von Firmen und Staaten fleißig gesammelt werden. Die Menschheit kann mit Hilfe von Computern und Internet viel mehr sein – viel freier, kreativer und gerechter, als es sich Jaron Lanier vorstellen kann.“

Vom Freigeist zum Stalinisten?

Unter dieser Überschrift kündigte Martin Schaad, Historiker und Philosoph am „Einstein Forum“ in Potsdam, am 14. Februar 2013 einen Vortrag an mit dem Titel „Wie wird man eigentlich Stalinist?” Tags davor erschien in den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ ein Interview mit dem Redner, in dem er sein Anliegen erläuterte. Sein Buch über den Gegenstand liegt vor. Es handelt über den Schriftsteller, Kulturfunktionär und Theoretiker des Humanismus Alfred Kurella (1895-1975), dessen Roman „Gronauer Akten“ 1954 erschien. Nach Ansicht Schaads war das Werk als Beispiel für sozialistischen Realismus gedacht, dessen Kanon, wie Schaad entschlüsselt, Kurella selbst kurz zuvor unter dem Pseudonym Heinrich Binder in Moskau formulierte.